Chamber Music @ Ground Zero
Mein Gehirn ist wieder an Ort und Stelle, mein Gehör meldet sich zurück und halbwegs ausgeschlafen bin ich auch. Zeit, den gestrigen Abend zu reflektieren.
Also, der Weg nach Darmstadt in die Bessunger Knabenschule gestaltete sich einfach, der Weg war leicht zu finden, auch der angekündigte Parkplatzmangel bewahrheitete sich
Ich hatte allerdings Glück. Nach einigem Herumkurven durch die Straßen, die trotz ihrer Enge seltsamerweise keine Einbahnstraßen waren (oder habe ich da was übersehen?
) fand ich einen Parkplatz, um dann erfreut festzustellen, dass ich mich in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort befand … so ca 50 Meter. Also rein ins Getümmel. Als ich dann auch raus hatte, wo der Eingang zu finden war stieg ich hinab ins finstere Kellergewölbe. An der Tür zur Kasse prangte der Schriftzug “Privatveranstaltung” … sollte mir das zu denken geben … ? Ich glaube, nein. Also weiter, Eintritt bezahlt und durch die engen, niedrigen Räume vorbei an der Bar (die mit äußerst guten Preisen aufwartete) in die Richtung, aus der die kreischenden, rasselnden, rhytmischen Geräusche erklangen.
Es war unglaublich laut, das ist mir zuerst aufgefallen und ich musste mir wiederholt geistig in den Hintern treten, weil ich noch keine Ohrenstöpsel in meinen Besitz gebracht hab. Ich sollte mir ein Memo schreiben.
Was bis dahin von der Tanzfläche zu sehen war, waren ca. 5 Quadratmeter, auf denen einige Menschen standen und sich mit mehr oder weniger entfleuchtem Gesichtsausdruck langsam oder garnicht zu den kreischend verzerrten, etwas übertönten und unheimlich lauten Geräuschen bewegten. Wirklich interessant. Aus Mangel an Bekanntschaften beschloß ich auch sogleich, an der Tanzfläche zu bleiben, zum Umschauen hatte ich nicht so die Lust und vielleicht würde sich ja noch das eine oder andere interessante Bild bieten.
Es war anstrengend, wirklich anstrengend. An die Musik habe ich mich schnell gewöhnt, es hat mir gefallen. Nach der Noiserunde folgte auch etwas NeoFolk (DIJ, DV, C93, ORE, … ) und dann einige Minimalstücke, die ich aber nicht so kannte. Mein persönliches Highlight war “Inade – The Grinding Inside”. Da entfaltet der Raum dann doch noch seine Möglichkeiten, denn pulsierende tiefe Bässe wirkten hier sehr gut.
Ansonsten konnte ich noch Sonar, Haus Arafna und Maska Genetic identifizieren, anderes kam mir bekannt vor, aber Namen konnte ich nicht zuordnen … was mich betrifft, hätte es durchaus auch etwas weniger höhenlastiger und quietschender Lärm sein dürfen, dafür lieber mehr Bässe und tiefes Dröhnen …
Besonders intensiv war die Wirkung des Stroboskops. Gleich bei meinem Eintritt verhinderte dieser, dass ich mir die Gesichter der Anwesenden genauer anschauen konnte. Zusammen mit dem Sound und der Nebelmaschine, die den Raum wirklich komplett (!!!) ausfüllen konnte, ergab sich hier eine unglaubliche Atmosphäre. Vor meinen Augen gab es nur eine komplett weisse, vor Energie zuckende und lärmende Wand.
Insgesamt war es schon ein Undergroundgefühl, exklusiv, fern der Massen und besonders. So oder ähnlich müssen sich auch die ersten Tekknojünger gefühlt haben, als sie sich in kleinen versteckten Kellern trafen um ihrer Leidernschaft zu fröhnen
.
Was das Publikum betrifft war hier eigentlich alles vertreten. Es gab mehrere Uniformierte oder zumindest ordentlich Beschlipste, aufgetakelte Tussen (von denen sich mindestens eine garnicht aber auch absolute gar nicht!! bewegen konnte … Augenschmerz … ) und unspektakulär Gekleidete. Sogar einige hübsche Mädels waren dabei
Alles in allem war der Abend gelungen, es gab viel zu sehen und zu hören, es war für mich eine neue Erfahrung und das Härteste, was ich bisher Samstags hier so erleben durfte. Ich würde sagen, wir sehen uns in ca. 3 Monaten zur nächsten Chamber Music @ Ground Zero …