Paris, Texas
Ein verwahrlost und verwirrt wirkender Mann, der scheinbar ziellos, dafür aber mit schnelle Schritten durch die texanische Wüste läuft. So beginnt der Film von Regisseur Wim Wenders.
Ein Arzt, der den Mann aufgreift und versorgt, findet bei diesem eine Visitenkarte, deren Telefonnummer er anruft, da sein Patient scheinbar nicht sprechen kann oder will. Der Anruf landet bei dem Bruder des Mannes im fernen L.A. Er bricht sofort auf, um seinen Bruder, von dem er aufgrund dessen 4jähriger Abwesenheit glaubte, er sei tot, nach hause zu holen. Es beginnt eine großartige und melancholische Geschichte um Liebe und andere Gefühle im Süden der USA (an den dieser Film eine Hommage zu sein scheint und möglicherweise auch ist).
Die Schauspieler sind einfach wundervoll, allen voran Natassja Kinski und Harry Dean Stanton (der mir insbesondere aus David Lynchs “The Straight Story” und seinem Kurzfilm “The Cowboy And The Frenchman” bekannt ist, wenn auch die Eindrücke hier nur marginal waren, was sich ja hiermit zum Glück ändern konnte). Es gibt eine Szene, in der die beiden durch eine Peep-Show-Glasscheibe und ein Telefon miteinander reden. Sie sehen sich kaum an, weil sie es nicht können, aber diese (fast schnittlose) Szene ist so emotional und großartig gespielt … Respekt.
Die Kamera ist meines Erachtens nahezu ein Gedicht. Es ist Kameramann Robby Müller gelungen, fantastische Bilder zu kreieren – endlose Landschaften, tiefe Himmel, satte Farben und vor allem eine unendliche Ruhe. Es gibt lange Einstellungen, sehr langsame Schwenks und in allem wird das Auge des Betrachters sanft geführt ohne Hast oder Zwang. Und es ist immer (trotz aller Ödnis) Spannung in den Bildern, kaum eine Spur von Langeweile oder gähnender, nichtssagender Leere.
Das Farbkonzept, also die Verwendung symbolischer Farben zu Verstärkung der zu treffenden Aussage, geht wunderbar auf, auch wenn ich gestehen muss, dass mein Auge nicht geübt genug war, das sofort zu erkennen … insbesondere was das Rot angeht …
Der Score ist sehr gut gelungen und passt absolut in die Bilderkomposition. Stückweise erinnert er an die einsamen und überaus stimmungsvollen Gitarrenriffs aus Jim Jarmuschs “Dead Man”. Er unterstützt die Atmosphäre der Bilder und Landschaften, insbesondere der wüsten, kargen Gegenden sehr gut.
Alles in allem ein fantastischer Film, den Herr Wenders da geschaffen hat, ein “must see” meiner Meinung nach. Man wird es nicht bereuen. Mir ist es bisher nicht vergönnt gewesen, zahlreiche Wenders-Filme zu sehen, aber der Eindruck von ihm, den ich nach diesem sowie “Der Himmel Über Berlin” hatte, lassen viel erhoffen …