Stroszek
Ich hatte eben das Vergnügen, das schon etwas betagte Werk (1977) von Werner Herzog rezipieren zu können. Stroszek handelt von einem einfachen Leben unter schwerden Umständen in einer abseitigen Welt, dem Versuch des Ausbruches aus diesem Leben mit vielen Hoffnungen, Vorstellungen und Träumen und dem schließlichen Scheitern all der Vorhaben.
Es geht in dem Film um Bruno Stroszek, der am Beginn aus dem Gefängnis entlassen wird. Der Grund für die Haft bleibt zwar verborgen, nciht aber, dass es sich dabei um “Alkoholdelikte” handelte. Bruno kommt also in seine alte Wohnung, die einer seiner Nachbarn freundlicherweise unterhalten hat. Er ist künstlerisch begabt, spielt Klavier und Akkordeon. Mit letzterem versucht er sich einen kargen Lebensunterhalt zu verdienen, indem er von Hinterhof zu Hinterhof zieht, um als Straßenmusiker zu spielen
Dann ist da noch Eva, eine Prostituierte, die von ihren Zuhältern arg misshandelt wir und bei Bruno Unterschlupf findet. Und da ist der alte und verschrobene Nachbar, der von seinem Neffen in Amerika die Einladung zum Übersiedeln erhält. Bruno und Eva sehen darin die Chance, ihr bisheriges Leben zu beenden und ein neues zu beginnen. 3 scheiternde oder bereits gescheiterte Existenzen auf dem Weg in den Aufschwung … oder den Untergang. Denn das sich dieser einstellen muss, wird mit der Zeit jedem klar. Auch in Amerika stellt sich trotz aller Warmherzigkeit keine Besserung ein wodurch die abschließende Katastrophe nicht überraschend, dafür jedoch umso intensiver, berührender und tragik-komischer ausfällt. Der Film endet schließlich mit dem Satz eine Polizisten:
“We’ve got a truck on fire, can’t find the switch to turn the ski lift off, and can’t stop the dancing chicken. Send an electrician.”
Ich muss zugeben, am Anfang fiel es mir ein wenig schwer, mich in den Film hineinzufinden. Die Laiendarsteller (es sind fast alles Laiendarsteller), insbesondere Bruno S. wirken manchmal unfreiwillig komisch, fast schon Helge-Schneiderresk. Aber jeder hier nimmt sich ernst und das merkt man auch bald, wodurch einem das Lachen dann auch bald im Halse stecken bleibt.
Es gelang Werner Herzog sehr gut, die Tristesse des hinterhöfischen West-Berlins festzuhalten, die Abseitigkeit von Bruno und Eva. Dennoch versprühen die Figuren manchmal eine solche Wärme und Herzlichkeit, die die finsteren anonymen Hinterhöfe erstrahlen lassen könnte, würde sie nur dorthin gelangen.
Alles in allem ein intensiver und bewegender, komischer und unbequemer, bedrückender und rührender Film, der sich anzuschauen lohnt.