Ménilmontant (1926)
Im Zuge meiner neu entdeckten oder doch zumindest ausgiebiger ausgelebten Leidenschaft für den Monochrom-Film fiel mir dieses kleine Kunstwerk des Esten Dimitri Kirsanov zu (übrigens als vollkommen legaler Download). Nur lediglich 25 Minuten lang (zumindest meine Version, es ist öfter von 35 Minuten zu lesen …), bietet dieser Film doch einiges an optischen Reizen.
Die Geschichte dreht sich um zwei Schwestern, deren Eltern brutal ermordet werden. Daraufhin verlassen sie das heimatliche Dorf und Suchen ihr Glück in der Großstadt (Ménilmontant ist ein Arbeiterviertel in Paris). Sie wohnen zusammen aber spätestens mit dem ersten Mann, der in das Leben der beiden tritt, trennen sich die Wege nach und nach. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf …
Ich schaute mir den Film also an, darauf eingestellt, meine gewohnten S/W-Sehgewohnheiten hier wiederzufinden. Doch weit gefehlt. Ich staunte nicht schlecht ob der Bilder, Schnitte, Montagen, Perspektiven die da auf mich einströmten und sich doch so gänzlich von dem unterscheiden, was man von Chaplin, Keaton und Co. gewohnt ist. Abgesehen davon, dass dieser Film keine Komödie und das Ende tragisch ist. Zugegeben, meine Kenntnisse der Filme der 20er Jahre sind nicht sonderlich umfangreich, deshalb kann ich keine Vergleiche herstellen oder mit umfangreichen Analysen aufwarten. Im Grunde kann und will ich nur sagen, dass ich begeistert war von diesem Werk. Absolut empfehlenswert. Die Schauspieler sind großartig, insbesondere Nadia Sibirskaïa in der Hauptrolle. Die kalte Szene auf der Parkbank stockte mir fast den Atem. Toll.
Einzig der Score ist … nun, er ist schon an die expressionistischen Bilder angelehnt, sehr aussergewöhnlich, aber doch mit der Zeit leider nervtötend. Er erinnerte mich zeitweise an die schrillen Töne aus Buttgereits “Necromantik”. Vielleicht ist das auch nur auf die relativ schlechte Qualität des Tons zurückzuführen, ich weiss es nicht.


