traumessenz – fragmente

Herr Lehmann

Gestern habe ich mir die Verfilmung von Sven Regeners Buch angesehen. Meine Eindrücke dazu zu schildern ist schwierig, muss ich diese doch erst einmal sortieren. Aber ich versuche es einmal.

Ich kenne das Buch leider nicht, kann also die Qualitäten der Literaturverfilmung nicht beurteilen. Meine bisherige Erfahrung sagt mir allerdings, dass das Buch vermutlich besser sein dürfte, insbesondere was die Charakterisierung der Figuren angeht. Und es dürften im Buch einige Dinge klarer sein, wie zum Beispiel der Grund dafür, dass Frank von allen Herr Lehmann genannt wird. Es wird kurz erwähnt, dass es ein alter Witz ist, der sich zum Leidwesen von Frank verselbstständigt hat. Soweit ich weiss, wird im Buch gesagt, dass es mit seinem in Kürze anstehenden 30sten Geburtstag zu tun hat. Im Film bleibt dieser Zusammenhang auf der Strecke. Aber ich möchte mich daran nicht aufhängen :)

Zunächst einmal mochte ich die Darsteller sehr. Die Verkauztheiten und Sonderbarkeiten der Kreuzberger Wahlbewohner konnten sehr gut dargestellt werden. Was ich ebenfalls mochte, waren einige der Dialoge und Monologe. Manche waren schon fast von einem Helge Schneiderschen Kaliber, in ihrem Alltagswahnwitz kaum zu übertreffen. Herr Lehmann denkt sehr viel und das teilweise in äußerster Tiefe und Scharfsichtigkeit. Er ist bei weitem nicht dumm, vermutlich sogar eher der klügste von allen Protagonisten.

Die stärkste Szene im ganzen Film war der Trennungsstreit von Kathrin und Frank in der Dönerbude. Der Dialog war großartig, die Darsteller sehr überzeugend und hier hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass dem guten Herrn Lehmann auch mal etwas wichtig ist. Das ist nämlich den ganzen Film über nicht wirklich zu spüren. Herr Lehmann schlurft mit einer fast schon an Gleichgültigkeit grenzenden Gemütshaltung durch sein kleines Kreuzberger Leben, von einer Kneipe in die nächste, ins Bett und wieder von vorn. Er spielt eine Rolle und man merkt, dass er sich über diese kaum Gedanken macht. Alles, was sich hinter seinem kurz abgesteckten Horizont abspielt ist weder interessant noch wert es wahrzunehmen. Selbst der Fall der Berliner Mauer, ein Ereignis, welches mit Herrn Lehmanns 30stem Geburtstag zusammenfällt, ist nicht wichtig genug, um deswegen ein halb getrunkenes Bier stehen zu lassen. Am Ende ist dann aber doch noch die Erkenntnis gesetzt worden, dass sich etwas verändern muss, in welcher Form auch immer. Herr Lehmann lässt die Mauer Mauer sein und zieht seiner (neuen) Wege. Was ihn dazu gebracht hat, bleibt dem Zuschauer überlassen, denn es passiert irgendwie einfach. Oder habe ich etwas verpasst?

Die Gemütshaltung von Herrn Lehmann, aber auch der anderen Protagonisten (allen voran Karl) konnte auf den ganzen Film gut übertragen werden. Gleichgültigkeit, begrenzte Horizonte, keinerlei Spannungsbögen. Es passiert irgendwie nichts. Alle leben vor sich hin, jeder hat so seine Probleme und Macken, dafür aber weniger Wünsche und Träume.

Witzig ist der Film auf jeden Fall, Längen gibt es auch keine, trotzdem eigentlich nichts passiert. Obwohl, so kann man das auch nicht sagen. Es passiert einiges, aber die Bedeutung dieser Dinge ist wohl nur den Figuren wirklich bewusst, einen Außenstehenden lässt das eher kalt. Lauwarm. Langeweile kommt keine auf, das muss ich zugeben. Der Film plätschert so vor sich hin, ebenso wie das Leben Herrn Lehmanns. Kurzweilig, nett anzusehen, auch mehrmals.
Kein Lieblingsfilm, aber doch nett.


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