Jetzt ist es also soweit: mein erster Profi-Absinth darf durch meine Kehle fließen. Nach “Fruko Schulz” und “Tabu” ist meine Neugier weder befriedigt noch verdorben … zum Glück. Denn nun möchte ich eintauchen in die grüne Feenwelt und sehen, was all die berühmten und weniger berühmten Konsumenten gesehen haben, Bilder voller Rausch kreieren und Ohren abschneiden.
Gekauft habe ich zunächst den französischen Un Emile 68 und zwar bei Absinthe24, der mir trotz der “24″ recht kompetent erscheint und ganz passable Preise hat. Grund für diesen Blindkauf, denn ich habe so gut wie keine Ahnung von Absinth, war eigentlich die Tatsache, dass es die Flasche in einem Set zusammen mit zwei wunderschönen Gläsern und einem Absinthlöffel gab. Außerdem habe ich einige recht positiv ausgefallene Kritiken zu der Sorte gelesen und mich dann dazu entschlossen. Aber genug nun des Vorgeplänkels.
Ritualisierend (ja, ich möchte für mein erstes Glas eine Atmosphäre schaffen) steht das wunderschön schlichte Glas auf meinem Tisch, die Flasche Wasser daneben, leider noch nicht genug erkaltet. Aus den Lautsprechern klingt das neue (und nebenbei erwähnt ganz großartige) Album von Raison D´Être, “Metamorphyses”, aber dazu woanders mehr.
Das Mischungsverhältnis Absinth – kühlgeschranktes Wasser beträgt etwa 1:4, allerdings sollte ich das nächste Mal eher 1:5 probieren. Der Zuckerwürfel tröpfelt schön hinein, ich verschütte etwas von dem Wasser – ich sollte mir ein besseres Gefäss dafür suchen, aus dem sich langsam und bedächtig gießen lässt. Der Geruch ist recht angenehm, eine gewisse Schärfe schwebt allerdings mit. Die Trübung hält sich in Grenzen. Es gibt sie zwar, aber der nun im Glas stehende Löffel ist bis zur Spitze hin noch recht gut zu erkennen. Die Farbe bewegt sich in leicht eingetrübten Gelb-Grün-Tönen. Ich mache Fotos, was allerdings schwierig ist, denn nur bei Kerzenlicht und entsprechend hohen Verschlußzeiten ist ein Stativ mehr als angebracht … naja, bald.
Und nun der Geschmackstest. Zu allererst entscheide ich mich für ein zweites Stück Zucker, denn die Schärfe liegt noch bestimmend über dem Geschmack. Also flux einen zweiten Würfel versenkt. Besser. Wie im Tee ist also auch hier Zucker der ideale Geschmackstransporter und -verstärker. Aber wie lässt sich der Geschmack nun beschreiben? Ich kenne mich zu wenig aus um mit Phrasen wie “wermutig”, “vollmundig” oder “mit Nuancen von Fenchel und Anis” aufwarten zu können. Das Gefühl von Kräutern herrscht aber nicht wirklich vor. Zumindest nicht so, wie ich es benennen würde. Kräuter ja, aber auch Schärfe, alkoholische Schärfe. Von Genuss noch ein paar Schritte entfernt. Deshalb besser eine Mischung 1:5 und trotzdem 2 Würfel. Dann erleichtert sich vielleicht der Geschmack und wird zu einem größeren Erlebnis. Ein Profi-Absinthee (welch schöner Begriff von dem ich nicht einmal weiss, ob er existiert
) wird vermutlich die Nase rümpfen, aber ich kann nicht anders. Dazu bin ich zu wenig gewöhnt und zu pennibel wenn es um Alkohol und dessen Geschmack geht. Also ich muss noch an der Mischung arbeiten, aber ich denke, das wird schon gut funktionieren. Vorerst aber nicht, denn das Zeug war dann doch zu teuer, um es allabendlich zu dezimieren.
Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass es ein interessantes Erlebnis ist und ich schon voller Spannung und Neugierde auf die große weite Welt dieses Hochprozentigen schiele.
Jetzt bin ich aber erstmal gespannt auf die zweite Flasche die im Paket steckte: ein La Ptite 53° aus der Schweiz, der ebenfalls sehr gute Kritiken bekommen hat. Es gibt im Alpenstaat also anscheinend mehr als Uhren, Schoki, Nazigold und knuddelige Dialekte.
Wenn all diese Worte etwas wirr wirken, möge man mir verzeihen. Das erste Glas ist noch nicht ganz leer und mir dreht sich schon das Hirn und es kribbelt in den Beinen. Ein Grund mehr für die 1:5-Mischung, wie ich finde. Aber solange es keine Rechtschreibfehler gibt …
Soeben komme ich übrigens am Grund des Glases an, ein Hauch Süße fließt noch mit. Nun ist es leer. Eines reicht also für einen Abend, zumindest, wenn ich noch etwas vorhabe oder am nächsten Tage arbeiten muss … nun also erstmal ins Bett schwanken, die inneren Ohren aufsperren und die Feen rufen ![]()
Raison D´Être läuft immer noch, habe ich schon erwähnt, dass dieses Album ganz großartig ist?
PS: ![]()