Code 46

Eine Welt, nur wenige Jahre in der Zukunft. Das Klima ist kaputt, das Klonen ist Alltag geworden. Es gibt abgeschottete Städte und das Draußen. Wo man leben darf entscheidet ein kleines Kärtchen, wer dieses bekommt entscheidet … ja wer eigentlich? So genau erfährt man das nicht, aber es geht dabei um DNA-basierte Selektion. Und es gibt den “Code 46″, ein Gesetz, welches den Geschlechtsverkehr zwischen Menschen verbietet, die zu 25% oder mehr genetisch übereinstimmen. Dieses Gesetz gab dem Film von Michael Winterbottom seinen Namen und er handelt von dem Bruch des selbigen …

Tim Robbins spielt hier einen Versicherungsagenten, der nach Shanghai kommt um einem Fall von Sicherheitskartenfälschung aufzuklären. Diese Sicherheitskärtchen sind notwendig, um eine dieser abgeschotteten Städte betreten oder verlassen zu können … und werden daher gern gefälscht.
Bei seinen Nachforschungen, die sich durch ein ihm eingepflanztes “Empathie-Virus” vergleichsweise einfach gestalten (er kann quasi Gedanken lesen) begegnet er der Täterin Maria (hervorragend gespielt von Samantha Morton). Da er sich jedoch in diese verliebt, verrät bzw. verhaftet er sie nicht. Sie kommen sich näher, haben dann auch Sex und es kommt, wie es kommen muss: Sie wird schwanger, aber der Code 46 wurde verletzt. Die beiden sind sich genetisch ähnlicher als für eine körperliche Beziehung erlaubt. Sie wird in ein Krankenhaus gebracht, die Schwangerschaft abgebrochen, die Erinnerungen gelöscht. Sie begegnen sich jedoch wieder, sie versuchen, dem System zu entfliehen, die Beziehung zerbricht aber letztendlich an den Umständen.

Was ich an diesem Film besonders mag, ist seine Ruhe und seine Bilder, die zusammen mit dem großartigen Soundtrack zu reiner Poesie werden können. Schöne Perspektiven, langsame Fahrten, Distanz und Nähe gleichzeitig, ein wunderschönes Farbenspiel. Kamermann Alwin Kuchler hat es geschafft, eine insgesamt stimmige und passende Atmosphäre zu kreieren. Die Kulissen fügen ein schönes Stimmungsbild zusammen. Kühle Großstädte, Inseln in der Wüste, das öde und staubige “Outback”. Die Technologie der Zukunft ist nicht allzusehr weiterentwickelt (die Fahrzeuge z.B. sind die gleichen wie heute), es sind einige kleine Gimmicks, die eingestreut wurden und zum einen erkennen lassen, dass wir uns in der Zukunft befinden und zum anderen vermutlich auch das Budget im Rahmen gehalten haben ;) . Es fällt durch die relative Nähe zum Heute jedoch leichter, sich mit dieser Welt anzufreunden und sie als “unsere Welt” zu akzeptieren. Es gibt zu viele Science Fiction Filme, die den Anspruch haben, in unserer Zukunft zu spielen, diesen Anspruch aber schon wieder dadurch verlieren, dass die Setdesigner sich mit fettem Budget austoben können. Es gibt sogar eine eigene Sprache, die sich aus Englisch und einzelnen Worten Spanisch und Französisch zusammensetzt. Man muss sich daran gewöhnen, aber die Idee ist toll.

Die Ruhe und Langsamkeit, der Verzicht auf hollywoodeske (was für ein Wort ;) ) Klischees und Effekte, die äußerliche Kühle bei gleichzeitig sehr emotional aufgeladenen Szenen ist vielleicht vergleichbar mit Gattaca oder auch (genreübergreifend) mit Lost in Translation. An die Klasse dieser beiden Meisterwerke kommt Code 46 jedoch leider nicht heran. Für mich sind die Gründe dafür folgende:

Die Spannungslosigkeit. Nein, das ist übertrieben, der Film ist schon spannend, aber nicht spannend genug. Wenn man bedenkt, welche Emotionen in den beiden Protagonisten zeitweise toben (müssen), wenn man bedenkt, dass sie aus ihrem Weltbild auszubrechen versuchen, also schon einen gewagten und vielleicht auch in seinem Scheitern vorbestimmten Schritt gehen, passiert das ganze in einer relativ flachen Spannungskurve. Kaum spannen sich die Nerven etwas an ist auch schon wieder alles vorbei. Es fehlt der emotionale Knalleffekt. Sie ergeben sich in ihr Schicksal, handeln fast schon android, programmiert, ohne Begründung und vielleicht einen Tick zu irrational. Jaja, Liebe ist nunmal irrational, das weiss ich auch. Aber hier war eigentlich schon die Grenze der Unlogik erreicht, mir fehlte das Verständnis. Außerdem fehlte mir definitiv die Emotionalität, besonders von Tim Robbins. Der Mann ist toll, ohne Zweifel auch hier, aber vielleicht war er einfach nur unterfordert?

Die beiden Figuren passen irgendwie nicht zueinander. Liegt es am Alter (Tim Robbins ist gut 20 Jahre älter als Samantha Morton)? Oder an der äußerlichen Unterschiedlichkeit (er ist eigentlich fast nur in Hemd und Krawatte zu sehen und passt so gar nicht in ihre Welt)? Es will sich bei mir nicht das Mitfühlen einstellen, zumindest nicht, solange ich die Gesichter der beiden vor mir habe. Denn (wie schon erwähnt) fehlt mir Emotion und Nachvollziehbarkeit. Man versteht nicht alles in dem Film, wird über vieles im Unklaren gelassen, was ich überhaupt nicht schlimm finde. Das meiste von dem, was man nicht erfährt, ist auch nicht nötig zu wissen bzw. ist möglich sich zu denken. Aber was die Liebe zwischen den Hauptfiguren betrifft ist das anders. Die muss man schon nachvollziehen können und mir fällt das schwer. Das Handeln ist mir zu roboterhaft, aber das hab ich auch schonmal erwähnt …

Alles in allem ein kleiner und ruhiger Film, abseits vom Einheitsbrei, schön anzusehen und schön anzuhören (Der Soundtrack ist göttlich!). Leider jedoch auch mit einigen Schwächen beladen, insbesondere mit Oberflächlichkeit, die zumindest mir persönlich nicht so sehr behagen. Schade eigentlich, es hätte ein Meisterwerk werden können … und ich steh’ auf solche Meisterwerke ganz besonders …

Cover der DVD