traumessenz – fragmente

Morpheus – Rebis

Auf dem Musikportal Jamendo habe ich kürzlich die Taglisten nach allem durchstöbert, was neu, interessant, innovativ klingt, habe einiges davon heruntergeladen und siehe da, es sind auch düster-avantgardistische Perlen darunter. Eine dieser Perlen ist das Album “Rebis” des Projektes “Morpheus”. Beheimatet im sonnigen Madrid / Spanien (schonmal eher unüblich für derlei Musik :) ) bezeichnet der Künstler Fernando Manchado sein Projekt selbst als

Dark ambient-ritual-experimental project from Spain, influenced by David Lynch / Angelo Badalamenti, Ordo Equilibrio, Andrew Liles, Current 93, Coil…

und die Musik des Albums im speziellen (es ist übrigens bereits das fünfte Werk, leider das einzige auf Jamendo erhältliche) als

Ritual-industrial-dark-ambient with a melancholic-jazzy feel, based on bondage, fetish, dualism, sex magick and alchemy.

Klingt schonmal gut und macht definitiv neugierig, obwohl derlei Bezeichnungen natürlich Schall und Rauch sein können. Aber nach dem Anhören des Albums ist mir klar: eine bessere Bezeichnung habe ich auch nicht parat. Es ist tatsächlich alles Genannte an Klang vertreten. Seien es finstere, ambiente Soundscapes aus dem Schatten der Anstaltsruine, Jazz-artige Arrangements aus verqualmten Gangsterkneipen, elektronische Störgeräusche oder militärisch anmutende Schlagwerke, seichter Gesang einer im Glitzerkleid gewandeten Barschönheit oder die flüsternde Stimme eines Psychopathen. Soundtrack und Klangcollage, Geschichten raffiniert verpackt.

Die Texte sind (sofern vorhanden) in spanisch, englisch und auch kurz mal deutsch gehalten. Musikalisch möchte ich ungern Vergleiche ziehen, dafür ist die Musik von Fernando Manchado zu vielschichtig und abwechslungsreich. Einfach Bekanntes zu nennen wird dem nicht gerecht. Dem geneigten Zuhörer werden sich aber sicher diverse Einflüsse erschließen, die über die vom Künstler selbst genannten Projekte hinausgehen (Es werden bspw. auch Samples von Billie Holiday, Tom Waits, Serge Gainsborough oder Little Jimmy Scott verwendet).

Für mich ist das Album besonders innovativ, da es einerseits viel experimentiert und wagt, andererseits dabei aber weder schlechte oder auch nur reine Kopie noch unausgewogener Möchtegern-Mix ist, wie man es vielleicht bei der Fülle an Stilen und Stilmitteln erwarten würde. Die Stücke sind alle ausgewogen und in sich stimmig und bilden sicher nicht nur in meinem Kopf Kino pur. Morpheus nennt sich zu recht Morpheus …
Es kommt keine Langeweile auf, die Strukturen sind spannend und auch nach mehrmaligem Anhören erschließen sich immer wieder neue Aspekte und Zusammenhänge. Da ich leider des Spanischen nicht mächtig bin, geht mir vermutlich die eine oder andere Information verloren, das schmältert den Hörgenuss aber keineswegs. Die Einflüsse der (wie auch immer gearteten) Kräfte Lynchs sind stark erkennbar, werden sogar hervorgehoben (man lausche dem Stück “To Be Forgotten” :) ). Dass die Musik geeignet ist für einen Lynchschen OST glaube ich zwar eher nicht, aber für ein “Album zum Film” reicht es allemal.

“Rebis” ist also in meinen Augen ein starkes Album, mit dem “Morpheus” sich von gängigen Klängen und Klischees abheben kann. Zudem ist es völlig frei und legal herunterladbar, was den Bekannheitsgrad des Künstlers sicher steigern dürfte. Definitiv eine Empfehlung von mir!

Zuletzt sei noch darauf verwiesen, dass sich Fernando Manchado auch bildlich in Form von Fotografien auszudrücken vermag. Auf seiner Webseite und seinem Account bei DeviantArt finden sich sehr schöne Fotografien, die man auch käuflich erwerben kann. Einen Blick sollten sie jedem wert sein, der sich für experimentale und künstlerische Fotografie begeistern kann. Einige dieser Fotos liegen der kaufbaren Ausgabe des Albums “Rebis” als Kartendeck bei …

Tracks:

  1. Invocation ov 23, 5:32
  2. Beautiful lover, 4:38
  3. Anthem, 4:04
  4. Snakeskin, 3:54
  5. Domino, 3:42
  6. Venus in Veils, 4:08
  7. To be forgotten, 4:30
  8. Rebis, 6:00
  9. A game in the dark (revisited), 3:43
  10. Imposición de manos, 4:14
  11. Vigiliae (3:14 A.M.), 3:14
  12. …so as not to wake you, 6:15

Cover des Albums Rebis von Morpheus


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