The Oratory of Divine Love - Purgatorio
Es beginnt sacht zu rauschen. Von weit her dringt ein leises Singen zart durch den wehenden Klangteppich, der sich langsam immer drohender gebiert. Monoton nimmt der untergründige Klang mich ein und bietet den hallenden Stimmen aus der Ferne einen sicheren Weg zu mir. Ein immer stärker werdender Druck breitet sich aus, aus dem Rauschen wird ein maschinelles Dröhnen und Brummen.
Die Stimmen werden leiser, haben gerade noch die Kraft, die mittlerweile zur Mauer gewachsenen Klänge zu durchstoßen. Das letzte Licht erlischt, laute und drückende Dunkelheit breitet sich aus, kriecht förmlich in die hohe Kuppel über mir. Diese nimmt den gewaltigen Klang in sich auf, die Echos sind schon nicht mehr zählbar. Vielleicht ist es nur die Stadt dort draußen, die Ihre Klangkulisse hier bündelt und auf mich loslässt. Vielleicht erlebe ich gerade allen Klang der Welt, vereint in einem akustischen Purgatorium. Einzelne Ursprünge sind nicht mehr erkennbar, alles ist eins und doch auch nur Teil des Ganzen. Bis auf die leisen Melodien, die tapfer immer und immer wieder ihre Wege in meinen Gehörgang finden. Unbeirrbar verleihen sie der Undurchdringlichkeit ein wenig Farbe und sind mir ein fester Halt in diesem atemlosen Treiben.
Bald ist alles vorbei. Dann ersterben die tapferen Stimmen, dann erkalten die Melodien und auch die Maschinen bleiben nach einer guten Stunde Arbeit langsam stehen. Stille. Ich nehme die Kopfhörer ab und atme aus. Die Nacht ist weit entfernt von der Hölle.