traumessenz - fragmente

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Arcana - Raspail

Arcana ist eines der ganz besonderen musikalischen Projekte, die mich schon seit ihrem ersten Album (Dark Age of Reason, 1996) begleiten. Damals wie heute ein großartiges Album und der Beginn einer Karriere, die bis heute anhält.

Vier Jahre ist nun her, dass Peter Bjärgö und seine vier Mitstreiter das Album “La Serpent Rouge” präsentierten. Vier Jahre Zeit, um es wirken und werken zu lassen, nun ist es aber wieder soweit: Mit “Raspail” hat ein neues Stück Arcana das Licht der Welt und die Ohren der Fans (und derer, die es werden könnten) erblickt.

Haben die fünf Künstler auf “La Serpent Rouge” noch Wege leicht abseits des typisch Arcanesken beschritten und damit ein vergleichsweise besondere Maß an Innovationsgeist gezeigt (ich habe bereits darüber geschrieben), kehren sie nun wieder zurück an ihre Wurzeln. Nun, nicht ganz zu den Wurzeln aber doch deutlich in die Nähe des bisher von Arcana Gewohnten.

Zunächst zusammenfassend mein grober Eindruck nach dem ersten intensiveren Hören von “Raspail”:

Die Melodien sind typisch düster, mal treibend und mal wieder pausierend. Diverse Arten von Percussions wechseln sich mit Klavier und Saiteninstrumenten ab, die hallenden Flächenklänge und der ebenso hallende Gesang sind eine Konstante in Arcanas Schaffen, die auch auf “Raspail” nicht zu vermissen sind. Im Vergleich zu “La Serpent Rouge” ist Gesang zudem wieder deutlich in den Vordergrund gerückt. Im Großen und Ganzen klingen Arcana ein bisschen anders aber doch wie immer.

Das Stück Invisible Motions erinnert eigentlich ganz zwangsläufig an Dead Can Dance. Das liegt hauptsächlich an der Instrumentalisierung, weniger am Gesang. Arcana haben es ja trotz aller Vergleiche mit DCD immer geschafft, ihren eigenen Stil zu wahren und nicht als Kopie aufzutreten.

Man möge mir den nächsten Vergleich verzeihen, aber durch die Struktur und Art (und mit leicht modifizierter Instrumentalisierung) könnte das anschließende Stück Outside your world auch vor Jahren schon von Depeche Mode gespielt worden sein. Ich weiss nicht, wie ich auf diese Idee komme, aber ich finde den Gedanken immer weniger abwägig, je öfter ich das Stück höre.

Das schöne Stück Autumnal lebt vom traurigen Klang des treibenden Klaviers, ist ansonsten aber von sehr einfacher Struktur. Der Klangteppich baut sich langsam auf, Gesang setzt ein, ein Höhepunkt und dann Ende. Im Prinzip eine typisch dramatische Struktur. Vergleiche mit den Verbannten Kindern Evas lassen sich hier am ehesten ziehen, so man es denn möchte.

Mein absoluter Anspieltipp ist Out of the gray Ashes. Es bietet zunächst erfrischend treibende und lebendige Gitarrenklänge. Das Stück ist interessant arrangiert, der Gesang hält sich vornehm zurück ohne allerdings unterzugehen. Leider ist nach nicht einmal drei Minuten auch schon wieder Schluß, schade.

Daran anschließend stellt für mich Lost in Time direkt den Tiefpunkt des Albums dar. Langweilig und mit dem Charakter eines reinen Füllstücks. Die viereinhalb Minuten hätte das vorhergehende Stück besser vertragen können.

Das Album schließt mit dem Stück Circumspection, welches wieder ein Highlight und damit einen Anspieltipp darstellt. Hier hat man sich wieder deutlicher der Stärken der ersten Alben erinnert (Dark Age Of Reason und Cantar De Procella). Leider endet auch dieses Stück viel zu früh, so dass die Kopfhörer plötzlich verstummen und man fast schon erschrocken die Augen öffnet.

Alles in allem ist Raspail ein typisches Arcana-Werk. Fans werden auf ihre Kosten kommen, neue Fans wird es sicher auch geben. Ein wenig mehr Experimente und Neuerungen (Stichwort: Saiteninstrumente) sowie größere Schritte in der Weiterentwicklung würden der Musik aber gut tun. Momenten kopiert Arcana sich noch zu viel selbst. Ein paar Rückgriffe hier, ein paar bewährte Rezepte dort und seltener auch etwas Neues. Das ganz besondere Flair, die Atmosphäre und der Charme von alten Stücken wie The Song of Mourning oder God of the Winds werden auch auf dem neuen Album nicht erreicht. Ich denke, da ist noch viel machbar und in diesem Sinne freue ich mich schon jetzt auf das nächste Album in etwa vier Jahren. Hoffentlich hinken die Vergleiche mit Dead Can Dance deutlicher ;).



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